urban exploring, Bunker, Industrieruinen, U-Verlagerungen

Wo bleibt die Menschlichkeit?

Eine Frage, die ich mich angesichts unserer Gesellschaft und auch in Bezug auf das Hobby oft frage, ist:

Wo bleibt heutzutage noch die Menschlichkeit?

Viele nehmen dieses Hobby auch um einen Ausstieg aus der immer schneller werdenden Gesellschaft zu erschaffen. Sie genießen die Ruhe und die Zeitlosigkeit dieser Orte. Das Gefühl in einem Anachronismus zu stehen, dass Zeit eben relativ ist, wo sie einerseits eines der wichtigsten Güter ist, andererseits heutzutage regelrecht verschwendet wird und immer häufiger die Zeit in Stress umschlägt.

Aber dieser Austritt, dieses Ringen nach dem anderen, nach der Differenz zum Alltag, schaffen die wenigsten. Man erkennt es daran, dass selbst an mahnenden Orten völlig respektlos umgegangen wird. Es geht uns die Menschlichkeit in der Gesellschaft zum Teil verloren, Schwäche verkommt zu einem Unwort und Respekt Dingen und Orten gegenüber ist kaum noch vorhanden. Wir leben eben in der Konsumgesellschaft und genauso wird mittlerweile auch mit Lost Places umgegangen.

Ich war da!

Manche reisen an diese Orte nur um da gewesen zu sein. Gehen mit ihnen um, als wären sie eben ein Gegenstand, den man, wenn er kaputt ist austauscht. Oft ist es wohl nach dem Motto: “Und nach mir die Sintflut”; es werden Orte weitergegeben, weil einem egal ist was damit passiert, wenn man schon einmal da war. Es wird mit den Orten umgegangen als wären sie eben nichts, Hauptsache da gewesen, Hauptsache rein und Hauptsache gute Bilder. Ein Umgang den man oft auch mit der Umwelt sieht und der egal wo grausam ist.

Was wäre wenn…?

Ich stelle mir dabei immer die Frage: “Was wäre wenn das mit einem Haus passiert, zu dem ich persönlichen Bezug habe?”. Wohl ein Szenario, welches niemand erleben will und was dennoch niemanden mehr daran hindert, Orte zu verwüsten, zu verändern und deutliche “Gebrauchsspuren” zu hinterlassen. Es geht eben der Respekt vor den Dingen verloren und vor allem vor den Dingen anderer. Denn sie gehören ja noch jemandem, irgendwem, vor allem nicht einem selbst. Aber all das ist egal. Man hat sein Bild, man hat ja etwas zum zeigen, einen persönlichen Gewinn. Der Ort ist eben nur eine Kulisse, ein Mittel zum Zweck der Darstellung des selbst.

Der Mensch – Das Rudeltier

Und so nimmt dies auch in einer Randgruppe, welche den Ausstieg wollte einfach ihren gesellschaftlichen Lauf. Oft wird sich rausgeredet mit solchen Beispielen wie “Wenn ich es nicht mache, macht es wer anders” oder “Es hat ja vor mir auch schon jemand gemacht, da bin ich ja egal”. Wir haben ein Händchen dafür die Verantwortung von uns zu stoßen und eben anderen die Schuld zuzuschieben. Ein Umdenken findet nicht statt. Unsere ethischen Grundlagen gehen verloren, Respekt und Anstand werden langsam wirklich zu Fremdworten und das reflektieren der eigenen Taten mutiert zu einem Unding, denn man ist ja nur einer von vielen, also muss man sein eigenes Handeln immer nur im großen und Ganzen und dem kollektiv rechtfertigen. Wenn das Kollektiv so agiert, dann darf ich das ja auch! Der eigentliche Witz dabei ist, dass Urban Exploring für viele eben dazu dient, sich von der breiten Masse abzuheben. Die Präsentationen der Orte sollen den anderen Leuten zeigen, an was für besondere Stellen man geht, was man für ein toller Hecht doch ist. Zugleich reden sich diese Leute aber in die “breite” Masse und rechtfertigen ihr Handeln nicht mehr vor sich und anderen, sondern legen eben das eigene Handeln in die Hände der anderen.

Das zeigt wohl am Besten das übliche Gehabe… Hauptsache ich war es nicht. Es sind immer die anderen. Ich wünsche mir wirklich etwas mehr Zivilcourage. Tretet Leuten in den Arsch, wenn sie etwas falsch machen und macht es nicht einfach nach!

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