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Urban Exploring – Leben und Leidenschaft

Ich habe schon einige Texte zu den Beweggründen des Urban Explorings geschrieben. So schreibe ich wieder einen. Er soll wiedergeben was meine Beweggründe sind, mich diesem Hobby hinzugeben und eventuell auch andeuten, was falsch zu laufen scheint.

Warum eigentlich Urban Exploring?

Ich weiß mittlerweile, dass das Warum etwas ist, was man wohl nie ganz erklären kann. Die Gefühlswelt auszudrücken, die man empfindet, ist ein sehr schwieriger Schritt. Dennoch kann ich es versuchen.

Urban Exploring ist pures Leben. Liebe. Leidenschaft.

Man wandelt an Orten, die seit Jahren, wenn nicht sogar Jahrzehnten verlassen sind. Es geht mir dabei nicht um den Kick, natürlich kann es mitunter aufregend sein. Auch das “beste” Foto ist kein Grund für mich, wie er es für viele zu sein scheint. Mir geht es darum, Leben hautnah zu spüren.

Jeder Gegenstand an so einem Lost Place erzählt seine eigene Geschichte. Wenn die Wände reden könnten, sie würden von Liebe, Hass, Angst und vielem mehr, eben dem puren Leben erzählen. Diese Geschichten zu sehen, sich zu überlegen, was war und was sein wird, durch die Türen zu schreiten durch die verschiedenste Menschen ihren Weg angetreten haben, erfüllt mich mit einer breiten Facette an Gefühlen und Überlegungen, die wohl wenige Menschen hautnah erleben dürfen.

Geschichten der Vergänglichkeit

Für gewöhnlich versuche ich die Geschichten dann zu erzählen. Das was ich gesehen, vor allem aber gefühlt habe, mit Worten und Bildern wiederzugeben und den Leser auf eine Reise zu nehmen. Leider interessiert es immer weniger. Entweder geht es nur noch um das beste Foto oder generell etwas zum gaffen zu haben, was ein “unheimliches” Gefühl im Betrachter auslöst. Aber ein Lost Place ist nicht unheimlich. Er zeigt neben dem Leben auch die Vergänglichkeit, ein Thema mit dem sich der Mensch generell schwer tut. Dies ist vermutlich auch das Faszinierende daran. Diese Vergänglichkeit greifbar zu machen und zu zeigen, dass alles ein Ende hat, selbst gigantische Bauten der Industrie, Orte des Lebens von Adligen, Berühmtheiten bis hin zum Haus vom kleinen Bürger nebenan, sie alle waren mal und sind nur noch am Rande der Existenz, am Rande des Denkens der Menschen, obwohl sie für Einen oder sogar für Viele einmal alles waren. Die Menschen die an den Orten lebten oder arbeiteten geraten oft mit diesen Orten in die Vergessenheit. Die Erinnerungen in so einem Ort gehen verloren und so auch die Erinnerungen an Existenzen. Diese Erinnerungen möchte ich aufleben lassen.

Der Wandel

Unser Leben unterliegt diesem Wandel, aber wir merken es selbst nur selten, da es ein schleichender Prozess ist. In einem Lost Place ist dies anders. Wir haben es greifbar, haben manchmal den Wandel von Jahrzehnten vor uns, was passieren kann, wie schnell es geht und wie schnell das Vergessen eintritt. Das Problem dabei ist, dass leider auch die Orte einem Wandel unterliegen. Immer mehr Leute, denen es nur um das beste Bild geht, verändern die Orte für eben dieses. Sie nehmen dem Ort was er hat, Verändern die Erinnerungen, verleiten dazu eine falsche Geschichte zu erzählen. Anna L, Villa Wallfahrt sind wohl nur zwei gute Beispiele dafür, was dieser Wandel mit sich bringt. Komplett Belgien ist mittlerweile überlaufen und durchdekoriert. Der Respekt gegenüber der Geschichten und der Menschen, die dort lebten, gehen vollends verloren.
Andere Verkaufen Gegenstände, nach dem Motto, dass sie ja eh keinen mehr interessieren und si so noch etwas bringen. Der Egoismus treibt dieses Hobby momentan in den Ruin.

Quo Vadis?

So frage ich mich momentan oft, wo das Enden soll und ich kann mir diese Frage nicht mehr beantworten. Wenn es nur noch darum geht, durch Selbstdarstellung Teil dieser Geschichten zu sein, hört der Aspekt auf, das wiederzugeben, was ich sehe. Orte, die für Leute alles waren, die das Leben darstellen, verkommen zu Trödelmärkten, zu einfachen Kulissen. Es zeigt wohl am besten, wie der Mensch oft ist. Am Ende sind die meisten Egoisten und das Leben ist nicht mehr als ihre Bühne. Sie wollen nicht zeigen was mal war, sie wollen zeigen was sie können und dass sie etwas machen, was nicht jeder macht. Aber bald macht es eben jeder und ich hoffe spätestens dann, werden diese Leute sich ein anderes Hobby suchen. Denn es ist mehr, es ist Leben, es ist Liebe und es ist eine Leidenschaft diese Geschichte zu erleben und sollte nicht dazu verkommen, nur ein Teil dieser Geschichte zu werden um endlich selbst eine Geschichte zu haben, die man anderen erzählen kann, nur damit man Aufmerksamkeit bekommt. Denn diese gebührt den Orten, nicht dem Menschen, der in sie eindringt. Wenn man zu einem Eindringling wird, ist man nicht besser als ein Vandale, Sprayer oder Dieb. Man raubt den Orten einen Teil ihrer Geschichte, nimmt ihnen die Chance sie zu erzählen und ihnen zu gedenken, wie sie es verdient haben. Als Teil des Lebens.

2 Comments

  • fotolost
    Posted 18. März 2014 at 19:56 | Permalink

    voll krass geschrieben, mir fehlen glatt die Worte, Respekt!
    Ein ganz toller Text den du hier geschrieben hast und er kommt mir gerade aus dem Herz. Auch ich orientiere mich an diesem Gefühl der Leidenschaft. Herzlichen Dank für diese Zeilen, ganz toll geschrieben.

    • Phil
      Posted 18. März 2014 at 20:58 | Permalink

      Schön, dass es gefällt! 😉 Danke für das Lob.

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