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Wenn der Begriff “Urban Exploring” durch die Medien größer wird…

Dass die Bewegung des “Urban Exploring” stetig durch das Internet, Facebook und die Medien wächst ist lange kein Geheimnis mehr. Leider ist es kaum jemandem möglich, dort noch zu differenzieren…

Urban Exploring ist mehr als es mal war

Der Begriff ansich, bezog sich lange Zeit in Deutschland nur auf das Besuchen und Dokumentieren von den sogenannten “Lost Places”. Dass der Begriff in seinem Ursprung wesentlich mehr war und in der Englischen Sprache etliche Differenzierungen hat, wird dabei leider immernoch verkannt. So gibt es verschiedenste Arten des “Urban Exploring”, wie z.B. Infiltration, Roofing, Draining und noch mehr. Diese Unwissenheit bzw. mangelnde Unterscheidung bringt aber immer mehr Urbexer, die es eben als Dokumentation starteten, in gewisse Nöte.

Urbex = Illegalität

Das einzige, was alle Variationen gemeinsam haben, ist die Illegalität der Aktivitäten. Es werden in allen Ebenen Bereiche besucht, die eigentlich nicht besucht werden dürfen. Da dies die einzige Schnittstelle ist, gerät der Grundgedanke in Verruf, der Kodex (der in weiten Teilen eh nicht mehr eingehalten wird) wird zu einer Farce. So geistern immer mehr Berichte von Selbstdarstellern oder Leuten durch die Medien, die mit dem eigentlichen Begriff des Urban Exploring nicht mehr vereinbar sind, da es nicht um die Orte geht, sondern um vermeintliche “künstlerische” Ergüsse, Profilierung oder den reinen Kick.

So hat erst vor wenigen Tagen die “BZ” (Berliner Zeitung) eine Bilderserie veröffentlicht, die Aufnahmen in normalerweise unerreichbaren Bereichen Berlins zeigen. Auf den Bildern ist Roofing zu sehen (das besteigen von Kränen oder Dächern mit anschließender Aufnahme von dort, oft mit einem selbst oder seinem Mitstreiter drauf als Beweisfoto), Spielereien mit Farbpulvern, Aufnahmen des Fotografen oder eines Modells. Die Orte, um die es vielen geht oder mal ging, sind bei diesen Bildern nur Nebensache, die Handhabung, das Risiko, die Aufnahmen, sind für viele Urban Explorer im “alten Sinne” ein absolutes No Go. Und dennoch: Es wird von dem Hobby Urban Exploring geredet, welches nur mit den Worten beschrieben wird “Risikofreudige Fotografen halten Orte fest, zu denen die Bürger normalerweise keinen Zugang haben”. Das ist alles, mehr gibt es scheinbar über das Hobby nicht zu sagen…

Namedropping für reine Klicks

Dabei ist es der Presse egal, ob es dort Differenzierungen gibt, ob so ein Bericht einem Großteil dieser Bewegung nicht gerecht wird, denn der Begriff ist mittlerweile so weit verbreitet und die Bilder dennoch so “mysteriös” für die breite Masse, dass der reine Name in so einer Fotoreihe oder einem Beitrag eingearbeitet (egal ob positiv, negativ oder ohne Wertung) Klicks generiert und zu einem Garanten von Aufmerksamkeit wird. Ist es das, was Urban Explorer wollen? Meist mit für viele negative Begriffe wie “illegal” oder “riskant” betitelt werden und von Grund auf über einen Kamm geschert werden, mit jedem, der Bereiche betritt, die eigentlich nicht zugänglich sind?

Auch in der Presse die USA der Vorreiter

Wohin dieser Trend des Namedropping und vor allem, des über den Kamm scheren führt, zeigt bereits der amerikanische Blog der Lifestyle-Zeitschrift “New York Observer”. In diesem wird von einem Touristen in New York berichtet, “einem Mecca (für Abenteuersuchende) mit interessanter Infrastruktur über und im Untergrund”, der auf die Brooklyn Bridge kletterte, um dort ein Selfie zu machen und es bei Instagramm hochzuladen. Diese leichtsinnige und völlig hirnrissige Aktion des jungen Mannes, der sich in Shorts, einem Hemd, Turnschuhen und einer Sonnenbrille, also alles andere als Kletterausrüstung mit einem sogenannten Selfie-Stick auf einem der dicken Stahlseile der Brücke ablichtete, wurde in dem Bericht sofort mit einem hier bekannten Hobby verglichen: Urban Exploring. Sogar im Titel “Brooklyn Bridge Selfie Stunt Is Bad News for Urban Explorers” wird das mittlerweile gut bekannte Hobby aufgegriffen.

Betreten verboten? Ich bin Urbexer

Die Begründung dafür ist auch sofort mitgeliefert, Urban Explorer sind ganz grob alle Menschen, die vor keinem “Achtung”- oder “Betreten verboten”-Schild zurückschrecken und dann erst recht solche Orte betreten. Anschließend wird dann noch eine scheinbar ernsthaftere Urbexerin zitiert, die eben sagt, dass dies nichts mit dem Hobby zu tun hat, sondern einfach leichtsinnig ist. Der Bezug wird aber dennoch hergestellt, ein Disput zwischen dem Social-Media-“Urbexer” und ernsthaften Urbexern wird aufgezeigt (ohne Wertung des Autors) und es wird über eine idiotische Tat berichtet: Anders gesagt, es wird alles getan um in verschiedensten Bereichen Klicks zu generieren, denn man hätte auch ohne die Thematik Urbex über diese Leichtsinnigkeit berichten können, vor allem wenn diese sofort relativiert wird, aber wegen der Attraktivität dieses Themas im Internet, wird das Hobby sogar zur Schlagzeile.

Dieser Trend zeigt die Ausmaße, die Urban Exploring mittlerweile in den Medien angenommen hat und gibt die Beliebtheit wie den Bekanntheitsgrad des Hobbys wieder, welches auf einer illegalen Grundlage basiert und in England sogar eventuell 12 Leuten zu langen Haftstrafen verhelfen wird. Anders gesagt, einem Hobby, welches nicht in der medialen Landschaft breitgetreten gehört, sondern eher vor vorgehaltener Hand, dennoch gibt es immer mehr sogenannte “Urbexer”, die sich in den Medien präsentieren, viele in ein falsches Licht rücken und sich gleichzeitig über andere Dummheiten beschweren…

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