urban exploring, Bunker, Industrieruinen, U-Verlagerungen

Urbexer against “Urbexer” – “Urban Explorer”, unser größter Feind

Es wurde schon immer wieder angedeutet und es ist einen eigenen Artikel wert. Heutzutage muss man als Urbexer nicht nur auf Vandalen und die Dorfjugend aufpassen, sondern immer mehr auf “Urbexer”…

Dabei sind verschiedene “Macken”, die immer häufiger auftreten und nach und nach zu dem Niedergang der Lost Places und des Hobbys gehören. Man sollte immer im Hinterkopf behalten, es ist illegal, es ist gefährlich und es war mal alles im Untergrund, eine Leidenschaft für eine Hand voll Leute, die sich im wahrsten Sinne des Wortes im Untergrund aufhielten… leider sind diese Zeiten einer wirklichen “Szene” vorbei.

 

Höher, schneller, weiter! – facebook sei Dank

Eine Fraktion, die sich gebildet hat, ist die der oft reinen Fotografen. Es bildet sich ein gigantisches Netzwerk bei facebook verschiedenster Lost Places und Fotogruppen und jeder kennt dort jeden. Da sind Leute mit 1000 Fremden wovon sie vielleicht 200 persönlich kennen, keine Seltenheit. Die Bilder werden ja nur interessierten gezeigt, so hört man, aber dass diese Gruppen oft öffentlich sind oder wenn nicht, es eigentlich keine Aufnahmekriterien gibt, wird dabei völlig missachtet. So teilen tausende von Menschen ihre Bilder öffentlich bei facebook, einsehbar von Millionen, schließlich basiert facebook auf diesem Verteilungssystem um eine möglichst große Menschenmenge zu erreichen  und es bildet sich ein Kreis aus Menschen, die ihre Bilder honorieren und ihre Anerkennung eben nur noch aus diesen ziehen. Da die orte als Kulisse und Motive gelten, werden sie eben weitergegeben, getauscht und jedesmal wenn ein neuer Ort aufkommt, kann man regelrecht dabei zugucken wie sich dieser Ort auf facebook oder Flickr exponentiell verteilt. Schließlich sollten doch jeder Fotograph die Möglichkeit dieser tollen Orte kriegen! Ja und jeder Fotograph ist dabei respektvoll, wenn ich einen Ort wild tausche ist das überaus respektvoll… es wird dekoriert, geklaut (da fallen dann im ganz kleinen Rahmen so Sätze wie “Die Tour muss sich ja auszahlen” -Im Ernst!!) oder eben eingebrochen. Alles für das beste Foto, was ein anderer eben nicht hat.

In diesen Gruppen trachtet jeder nach Individualismus. Will etwas besonderes zeigen und besonderes sein und dafür eben Anerkennung finden, dass aber genau dieses Verteilen und Zusammenrotten eher dazu führt wieder nur einer von vielen zu sein, einer von denen, die eben für einen neuen Ort alles hergeben wo sie schon waren, schließlich sind die Orte wo sie schon waren uninteressant, die Bilder sind schon gemacht und es folgen hunderte anderer Personen und man ist wieder nur einer von vielen und kriegt die Anerkennung zum Teil eher für die Qualität der Orte als für die der Bilder… außerdem kann ein Like eine ordentliche Kritik ersetzen? Kann man an dieser wachsen? Aber Kritik ist im Internet eh nicht gewollt… es ist alles fadenscheinig – Urban Exploring verkommt zu einer Bühne.

 

Pilgerstätten – Nennen wir es mal “Nearly-Lost Places”

Um dann wenigstens einen gewissen Zeitraum noch mit seinen Bildern eben etwas besonderes zu sein, entstehen an neuen Orten regelrechte Pilgerstätten. Die Geschichte der Orte ist egal, aber die Motive!!! Man ist nicht mehr alleine an einem Lost Place und damit ist er eigentlich auch nicht mehr verlassen. Es sind regelrecht Wettrennen, die da entstehen, wenn ein Ort oft gesehen ist, sind die Bilder nicht mehr so viel wert, es fehlen Gegenstände (aber Urbexer klauen ja nicht, die Dorfjugend und so!!! Wer’s glaubt…) und somit Motive und so muss man sich eben beeilen. Das wirklich schlimme ist, das muss man mittlerweile wirklich! Man kann es keinem verübeln, dass er schnell zu einem neu-entdeckten LP will, denn meistens sind sie schnell heruntergekommen oder die Behörden und Besitzer werden wegen der Massen aufmerksam. Die Orte verkommen heutzutage so schnell, dass diese Wettrennen beinahe ein “muss” geworden sind… oder man lässt es halt.

 

Urbexer? Nie!

Trotzdem verschließen die meisten die Augen vor dieser Entwicklung… viele schieben den Verfall auf die Dorfjugend. Aber oft ist es nur noch die Jagd nach den Orten, wo viele rücksichtslos werden. Einige unbewusst und sind sich der Tragweite der Tauscherei und ähnlichem nicht bewusst, andere nehmen es für ihre Mediengeilheit und ihre Anerkennung gezielt in Kauf… Solange ihr Ansehen nicht leidet ist ja alles gut, man muss es nur gut genug vertuschen… Es gibt viele Beispiele für diese Widersprüche, für das Wegschieben der Mitschuld oder eben für den bewusst falschen Umgang. Davon werden hier im Blog auch noch welche folgen…

Wenn das Rennen um einen Lost Place beginnt, hat der Lost Place sein rennen verloren. Beste Beispiele sind Dr Anna L, Maison Baron Rouge, Expedition Antarctica und die Liste wird immer länger… Wir wollten alle mal die Orte bewahren und viele sind mittlerweile ihr Untergang…

Für die Wiederbelebung einer Szene und gegen den respektlosen Umgang mit den Orten!

 

 

10 Comments

  • Rainer Pott
    Posted 8. April 2014 at 18:51 | Permalink

    Hm, also ehrlich gesagt kann ich Dir nicht wirklich folgen. Ich finds auch extrem schade, wenn Objekte, welcher Art auch immer, in irgendeiner Weise beeinträchtigt werden; ich denke da sind wir doch alle einer Meinung. Die Gruppen bei Fakebook die Du ansprichst sind der breiten Allgemeinheit aber nicht zugänglicher als eine “herkömmliche” Internetseite; wobei diejenigen die ein entsprechendes Hobby bereits in den 80’er Jahren betrieben haben eine sol-che möglicherweise schon vor Jahren als ähnlich neumodische Erscheinung betrachtet haben. Aber die Frage ist doch woher dieser Idealismus rührt, den Du da wiederfinden möchtest. Die Geschichte der Orte sei egal, aber es ginge um die Motive. Kann ja sein, daß sich mehr Men-schen für Fotografie interessieren als für Geschichte, aber wer will festlegen, welcher Maßstab der richtige ist? Letztlich geht es darum was gefällt. Soweit Du vom “Massen an Pilgern” schreibst, ist doch die Frage wie diese sich verhalten; wenn hunderte kommen und sich kor-rekt verhalten, sollte es in aller Regel kein Problem geben; kommen einzelne und richten Schaden an, ist dies nicht vertretbar. Umgekehrt kann ich Dich nur so verstehen, daß Du LP betreten willst, die anderen dies aber lassen sollten. Vielleicht ist aber mit dieser Form der Kommerzialisierung auch nur Dein persönliches Alleinstellungsmerkmal weggefallen und Du selbst schaffst es nicht mehr aus der Masse rauszustechen. Oder Du schaffst es nicht dich da-mit abzufinden, daß sich die Zeiten ändern und andere mit ihren Bildern einfach erfolgreicher sind. Das Gefühl kennt jeder Jazz-Musiker; Mühe bis ins letzte Detail und Arbeit ohne En-de…und dann kommt Bohlen und holt mit drei Akkorden die nächste goldenen Schallplatte.

    • Phil
      Posted 10. April 2014 at 15:46 | Permalink

      Entschuldige, dass ich mich scheinbar nicht deutlich ausgedrückt habe. Natürlich hast du Recht, wenn 100 Leute einen Ort besuchen und sich benehmen, macht das ja nichts. Aber wenn man den Verlauf der Orte so ansieht, der an verschiedenen Stellen hier im Blog ja auch angesprochen wird, dann sieht man, dass von diesen Massen eben nur ein gewisser Teil sich an die “Regeln” hält und den Orten genügend Respekt entgegenbringt. Es gibt immer schwarze Schafe, aber wenn 10 Leute an einem Ort sind und da waren 2 Schafe bei, ist es was andere als wenn 200 Leute an einem Ort waren und es waren 40 schwarze Schafe darunter, daher ist dieser Massenansturm leider problematisch, in meinen Augen. Außerdem ist diese Massenpilgerei zu den Orten, dass wenn einer neu erscheint sofort alle hinwollen, auch für uns ein Zeichen, dass der Respekt verloren geht. Früher hatte man Zeit für einen Besuch, das scheint oft nicht so der Fall.

      Dabei sollte ich noch einmal betonen, solange die Orte mit Respekt und Anstand behandelt werden, ist die Motivation mit welcher man diese besucht für mich völlig irrelevant. Aber leider entscheidet ja auch die Motivation über den Respekt. Jemand, der sich auch für die Geschichte hinter den Orten interessiert, wird nicht so schnell respektlos, wie jemand, der z.B. auf reiner Motivjagd ist und den Ort als leblose Kulisse ansieht, die ihm nur DAS Foto des Tages liefern soll.

      Wenn es darum ginge für unsere Bilder Anerkennung zu bekommen und der Neid auf andere bessere Fotos eine Rolle spielen würde, würden wir diese wohl immernoch veröffentlichen. Dieser Schritt wäre sinnlos, wenn es uns darum ginge uns selbst zu profilieren mit den Bildern. Bei deiner Formulierung zeigt sich das Problem was ich in der Szene sehe, Urban Exploring sollte nichts mit Erfolg zu tun haben! Wenn es um Erfolg geht ist es wie mit Geld, Leute gehen über Leichen, Lügen und Betrügen. Für mich ist der Begriff “Erfolg mit den Bildern zu haben” absolut nicht vereinbar und da greift auch eben wieder der Punkt mit der leblosen Kulisse und eben auch, wenn ich Erfolg damit haben wollte, dass ich sie doch weiterhin zeigen würde, sonst nehme ich mir ja alle Erfolgsgrundlage. Dieser “Erfolg” ist das Problem und die für mich falsche Motivation und das wurde hier ausgedrückt.

      Ich kann und will niemandem verbieten die Orte aufzusuchen, unser Anliegen ist aufzuzeigen, dass manches falsch läuft und dass es durchaus besser ginge, für alle Seiten, für die Orte so wie für die “Urban Explorer”, die noch zu den Orten wollen.

  • SilentHunter
    Posted 14. April 2014 at 17:03 | Permalink

    Vielleicht sollte man sich einfach damit abfinden, dass ein LP eben ein dynamischer Ort, und Urbex ein dynamisches Hobby ist. Egal wie wir alle lamentieren, es wird nichts ändern.

    Jeder muss für sich das beste daraus machen, seien es die die Fotografen, die Geschichte interessierten und sogar die Sprayer und Vandalen…

    • Phil
      Posted 14. April 2014 at 18:57 | Permalink

      Natürlich hast du irgenwie Recht. Das Hobby unterliegt dem Wandel und dem Trend und mittlerweile auch dem gesellschaftlichen Durchschnitt und da sind eben auch respektloses Verhalten und verschiedenste Dinge immer wieder vertreten.

      Dennoch sollte man doch nicht alles totschweigen und kann versuchen zu sensibilisieren und die Augen zu öffnen. Mit der Einstellung, sich einfach mit allen Missständen und Entwicklungen abzufinden, bin ich nicht einverstanden und ist heutzutage viel zu oft Gang und Gebe. Da sollte jeder für sich entscheiden, ob er sich dagegen wehren will oder eben nicht und das ist auch ok so, wenn es manche nicht tun. Aber als generelle Einstellung ist das ja auch keine Lösung, würde man im Leben immer alles nur hinnehmen und nie versuchen etwas zu ändern, dann wäre die Entwicklung der Menschheit, unseres Rechtssystem, unserer Politik und auch vieler 1000er Kleinigkeiten immernoch im Stand, dass wir uns erschlagen dürften und das Landgut des erschlagenen anektieren… Um es mal absolut überspitzt darzustellen. Solange hier eine Person nach dem Lesen etwas vorsichtiger agiert und etwas mehr nachdenkt, so ist dies schon ein Erfolg, heißt ja nicht, dass jeder mitlamentieren muss.

  • chrD
    Posted 16. Mai 2014 at 14:59 | Permalink

    Da im Netz mittlerweile jede Menge Seiten wie abandonedberlin.com sämtliche von ihnen besuchte Locations mit Adresse, Einstiegsmöglichkeiten etc. veröffentlichen (die genannte sogar mit GoogleMaps-Übersicht welche Location wo ist) müssen wir uns nicht wundern, wenn die LPs zu Party-Locations für Touristen aus ganz Europa und Abenteuerspielplätzen verkommen, die nach allen Regeln der Kunst zerkloppt, leergeklaut und zugesprayt werden.
    Den Betreibern dieser Seiten ist das vollkommen egal. Sie sind geil auf die Klickzahlen auf ihren Seiten oder in ihren Blogs.

    • Phil
      Posted 16. Mai 2014 at 15:07 | Permalink

      Traurig, aber wahr. Ein Grund warum wir uns zurückgezogen haben. Wir wollen dem Kreis, der vielen nur zum Orte abgreifen dient, nicht mehr angehören. Ich hoffe irgendwann auf ein Umdenken, ein zurückziehen in “den Untergrund”, auch wenn er in weiter Ferne ist. Spätestens wenn der Gesetzgeber oder dessen Vertreter gezielt auf diesen leichtsinnigen Massentourismus reagieren. Das zur Verfügung stellen, wahllose Tauschen und sogar Verkaufen von Locations führt zu nichts Gutem…

    • Michael
      Posted 19. Juni 2015 at 09:21 | Permalink

      Seiten wie abandonedberlin.com sollte man das Handwerk legen. Die Seite verfügt über kommerzielle Komponenten und unterliegt somit der Impressumspflicht. Ein Impressum sucht man jedoch vergebens.
      Vielleicht sollte man solche Seite mal abmahnen lassen.

  • Torsten
    Posted 19. Mai 2014 at 12:32 | Permalink

    Traurig aber wahr,mir ist leider passiert,das ich quasi eine Adresse gepostet habe(Name einer Einheit),der Admin der Seite sah es nicht ein das Bild rauszunehmen,innerhalb eines halben Jahres war die Loca tot.

    Bald wird es eh keine Locas mehr geben,da keine nachkommen werden,oder mag jemand den Plattenbaustil der “Neu” Industrie.
    Die eigentlich Szene ist aber,wenn man ehrlich ist,eh schon seit 2 Jahren nicht mehr vorhanden,ungefähr seit dem jeder hinz und kunz mit nem iphone bewaffnet überall reinklettert.

    Das mit den Ausländischen in dem Fall Schrottdieben,kenne ich anderweitig,von Rumänen die sich gezielt an Aktivisten des Tierschutzes hängen um Transporte von Hunden abzufangen,die man dann gegen die Fangprämie killt.

    Den Wandel den die Zeit mit sich bringt,ist so ne Sache,was früher Jahrzehnte dauerte ist heute in nem halben Jahr abgehakt..aber..da wird man als Old-school immer sein Schwierigkeiten mit haben

    In dem Sinne…alles Mist,und heute ist nix mehr zu schützen,egal in welchem Bereich

  • Axel S.
    Posted 5. Januar 2015 at 19:09 | Permalink

    Als Fotograf kann ich nur sagen, das diese Urbex-Szene erst richtig aufkam, mit der Einführung der Digitalen Welt … Von PC über Digitalkameras bis Handy !
    Was damals noch Geübten oder Gelernten vorbehalten war, die dann auch noch das Gespür für diese
    ehemals wundervollen, mystischen, oder fotogenen Orte besitzen mussten ,
    war eben sehr selten – und heutzutage kein Hexenwerk mehr …
    Auch in der Oldtimerszene sind die sogenannten Scheunenfunde im Grunde nicht mehr zu finden –
    Angebot und Nachfrage beeinflussen Bewegungen, und Möglichkeiten geben das Hilfsmittel für fast Jeden daran teilzuhaben .
    Der Hype wird sich eh wieder legen, wenn das Interesse nachlässt – und das wird es sicher …
    Dann werden es die letzten “Paradiese” sein,bevor auch da die Zerzörung zu sehr vorgeschritten ist …
    Ein ähnliches Beispiel von Vielen …

    axel

    • Phil
      Posted 5. Januar 2015 at 19:22 | Permalink

      Auf jedenfall war die Digitalisierung ein großer Teil der Verbreitung des Hobbys. Heutzutage hat ja jeder der ein “paar” Euro über hat eine ordentliche Kamera, es muss eh jeder Lebensabschnitt vom Frühstück bis dem ins Bett gehen per Bild festgehalten werden und wenn das irgendwann langweilig wird, sucht man sich etwas spannendes… Der erste Schritt waren die besser werdenden billigen Kameras, der zweite große Schritt wohl der Gesellschaftwandel über facebook etc. alles ist per Bild so schnell zu erreichen wie noch nie… hoffen wir, dass es sich wirklich wieder legt.

Post a Reply to Phil Antworten abbrechen

Your email is kept private. Required fields are marked *


*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>