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Unbekannte verschaffen sich Zugang zu den Beelitzer Heilstätten

… oder anders: Wie breche ich mit einem Bagger, der für die Zukunftsbebauung des Geländes gedacht war, die Chirurgie der Beelitzer Heilstätten auf und richte einen immensen Schaden an. Klingt abenteuerlich? So aber traurigerweise am Samstag in den bekannten Heilstätten passiert.

Was daran vor allem interessant ist: Wie es scheint wurde der Eingang des Gebäudes, der erst vergangene Woche gegen die etlichen Besucher, die auch nicht davor zurückschreckten Türen einzutreten oder die Gitterstäbe vor den Fenstern zu verbiegen, mit Betonplatten gesichert und nun mit dem Bagger zerstört, um sich einen Eingang zu schaffen. Der Bagger wurde erst einen Tag vor der Tat abgestellt und sollte für die Entstehung des Höhenpfads durch die Heilstätten genutzt werden (Potsdamer Neueste Nachrichten – Ab August durch die Baumwipfel (23.1.15))

Ein neues Maß des Vandalismus

Mittlerweile ist man es ja durchaus gewöhnt (was sehr traurig ist), dass zugemauerte Eingänge aufgemacht werden, Türen aufgehebelt und ähnliches. Aber diese Tat hat eine Art und Weise, die völlig neue Dimensionen sprengt. Für den Bagger wurde nach der Tat ein Loch ausgehoben, dieser darin versenkt und notdürftig mit Erde bedeckt. So fanden ihn dann Passanten und meldeten es der Polizei. Eine kriminelle Energie höchsten Maßes. Die Anzeigepunkte dafür lauten insgesamt “Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung, unbefugter Gebrauch von Kraftfahrzeugen und Dieseldiebstahl aus dem Bagger, dessen Innenraum komplett zerstört worden sei” (Quelle: Potsdamer Neueste Nachrichten – Unbekannte wollten Zugang zu Beelitzer Heilstätten (10.2.15) )

Nun werden einige wieder diskutieren, was für Idioten das waren und welchen Grund sie dafür hatten. Meiner Meinung nach ist das vollkommen egal. Wenn sie das gemacht haben um Zugriff zu der Chirurgie zu kriegen, sind ihnen vermutlich Bilder bekannt. Sonst hätte es ein anderes Gebäude, mit geringerer Sicherung treffen können, ein Zufall ist also ausgeschlossen.
Da ist egal, ob es Gruseltouristen, Abenteuertouristen, Fotografen oder sonst etwas sind, es fällt auf Urban Explorer zurück. Auch der Bericht der PNN schreibt von den Fotografen, die “möglichst morbide Bilder austauschen” und die sich “auf mehreren Foren zu gemeinsamen Treffen” verabreden. Und ist das gerecht? Ja! Durch das immer weiter publizieren dieses Hobbys werden immer mehr Leute aufmerksam, die nicht über ihre Taten nachdenken, die den Kick suchen oder ein “morbides” Foto, die das Abenteuer wollen oder einfach nur aus dem Alltag ausbrechen wollen und das schlichtweg mit allen Mitteln und Wegen. ‘Wenn andere da waren, dann muss man doch auch reinkommen’. ‘Solche Gebäude interessieren ja eh keinen mehr, sonst würden sie so nicht rumstehen’. Sätze, die bestimmt einigen durch die Köpfe gehen, die dieses Hobby und die Bilder ohne wirkliche Reflexion sehen.

Fangt wieder an die Gebäude zu respektieren und nicht auf eine Trophäenjagd zu gehen oder sogar Leuten die Pläne zu durchkreuzen, die die Gebäude wieder anderweitig nutzbar machen wollen und somit wenigstens zum Teil die Geschichte der orte wieder greifbar zu machen oder zu konservieren. Wenn das ganze so weiter geht, werden Polizei und Besitzer konsequent vorgehen und alles zur Anzeige bringen, was nur möglich ist um endlich ein Zeichen zu setzen. Früher waren für solche Umbauarbeiten eventuell Hausbesetzer oder Naturschützer die größten Sorgen der Besitzer und Projektmanager, heutzutage sind es die “Fotografen” und “Ruinentouristen”… Eine traurige Realität, die sich dringend ändern muss!

Sollten diese Tat “Fotografen” begangen haben, dann muss das von jedem, der Bilder sieht, die damit zeitlich in Verbindung gebracht werden können, gemeldet werden. Auch wenn jeder Urban Explorer irgendwo Hausfriedensbruch begeht, wenn er ohne Genehmigung Fotos macht, so darf so eine Tat nicht ungesühnt bleiben. Rettet die Geschichten der Orte und lasst eure Bilder und Besuche diese Geschichten erzählen und lasst sie nicht von anderen kaputt machen, die auf einer Welle mitschwimmen, die sich die “Szene” selbst geschaffen hat.

Selbst wenn es keine Fotografen waren, schiebt das bitte nicht einfach von euch. Natürlich sind die Heilstätten sehr bekannt, aber fragt euch doch mal, warum genau die Chirurgie und warum scheinbar gezielt da. Die Antwort liegt an den unzähligen Bildern, Beschreibungen und ähnlichem, die durch das Internet schwirren.

Noch einmal zum Bericht der PNN mit Bildern des Eingangs: Potsdamer Neueste Nachrichten
Und mal ein Bild wie der Eingang ausgesehen hat zum Vergleich: Eingangsportal vor er Tat

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