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UAV offline – Das Ende einer Ära

Es ist, wie vor kurzem vom Seitenbetreiber angekündigt, passiert. UAV (Urbexersagainstvandalism.com) ist offline gegangen.

Einer der genannten Gründe war die Kritik an der “Szene”, der Entwicklung des Hobbys zum Massentoursimus, die wir vollends nachvollziehen können. Ein anderer der Aufwand und das investierte Geld für Marketing, Seite und Design.
Auch die Initiatoren-Seite Rottenplaces.de scheint zeitgleich offline gegangen zu sein. Ob das so bleibt wird sich noch zeigen.

UAV – Eine Zusammenfassung

Das Projekt “Urbexers against Vandalism” hat es in den letzten Jahren weit gebracht. Oft zitiert, oft leuchtete einem der Banner entgegen und viele Seiten und Einzelpersonen kannten oder identifizierten sich sogar mit dieser “Vereinigung von Urbexern für ein gemeinsames Ziel”. Imagevideos als Marketing gab es. Man las allerhand Meinungen zum Vandalismus und dem “Aufbäumen” gegen diesen.
Unter den unterstützenden Seiten sah man aber auch immer wieder fragwürdige Namen. Kurze Zeit zählte sich z.B. DAP (Dark Arts Photography) hinzu, die gegen einen Obulus in ihrem Forum mit der Freigabe von Locationadressen warben. Auch Rottenplaces selbst zeigte sich oft recht freizügig mit Informationen, die sofort zu den Orten führten, teilweise Klarnamen der Firmen und Städte, sehr genauen Einordnungen und immer wieder blieb die Frage: Wie viel Maßnahme beinhaltete UAV und wie viel war nur Propaganda?

Völlig am Ziel vorbei?

Unter dem Strich bleibt ein fader Beigeschmack. Oft fanden Neulinge diesen Leitspruch, über diesen dann zu den Partnerseiten. Eine gute Werbung und viele folgten unreflektiert diesem Gedanken, der sich schnell verbreitete. So wurde die Problematik wenigstens den Leuten ins Gedächtnis gerufen, es wurde auf den Vandalismus hingewiesen und es wurde darüber geredet und sich damit beschäftigt. Das ist auf jedenfall eine gute Sache.
Aber braucht man dafür eine Bewegung?

Betritt man einen Ort der Begierde wird einem schnell klar, dass dieser Vandalismus eine Problematik darstellt. Selbst ein Neuling wird sofort darüber nachdenken müssen und die, die es nicht tun angesichts der typischen bekannten Orte, die man am Anfang seiner Laufbahn besucht und die oft sehr zerschlagen sind, werden auch durch so einen Leitspruch auf einer Internetseite nie darüber nachdenken.

Auf jedenfall war sie ein Zeichen nach außen. Ein Aufbäumen in der Öffentlichkeit und sagte: “Nicht mit uns!”. Das einzige Problem, wie auch in der Begründung des Endes dieses Projekts: Es verschlang Gelder für Marketing (Druck, Aufkleber, Verbreitung) und das war auf Dauer scheinbar nicht tragbar… und genau das zeigt worum es irgendwie ging: Marketing.

Marketing gegen Wohltätigkeit

Dass eben dieses Marketing so leger genannt wird und viele auch Verständnis zeigen, ist für mich überaus fragwürdig. Natürlich braucht eine Bewegung Marketing, sie soll ja bekannt werden (den Disput, etwas öffentlich zu machen bei einem Hobby was im Hintergrund bleiben sollte, lasse ich bewusst außen vor), es soll jeder wissen, dass etwas unternommen wird. Aber außer reden und eben weiter am Marketing schrauben: Was wurde eigentlich getan? Was bleibt für jeden einzelnen Fotografen, Hobbyhistoriker, Urbexer oder wie man sich nennen will, außer dass man wusste wer ein Zeichen setzen will (ohne dass man wusste ob dieses wirklich eines ist oder nur Publicity bringen sollte)? Mir als einer von vielen bleibt ehrlich gesagt so viel:
Nichts.

Ich kann mich, außer das Gerede und die Seite ansich und dass sie und ihre Befürworter sich rasant im Netz verbreiteten, an keine aktive Beteiligung an Programmen für einzelne Orte, keine aktive Gegenbewegung und keine Proteste, kein Anprangern, kein Unterstützen von Kommunen, keine Unterschriftensammlung etc pp erinnern, die irgendwie ein Zeichen gesetzt hätte oder es mal wirklich wegen einer Tat in aller Munde gebracht hätte. Es war immer nur ein Leitspruch und der hieß “Urbexers against Vandalism” und blieb leider über all die Jahre nicht mehr. Es wurde nie erwähnt, wie, wodurch und mit wessen Hilfe bzw. wer sich wirklich aktiv beteiligte. Es war eine Namen und Internetseitensammlung, die immer ihren Nachweis schuldig blieb, eine wirkliche Bewegung zu sein.

Business as usual, oder – Wenn ein Ende ein Zeichen ist

Die Begründung über das Ende sagte nicht, dass das Projekt erfolglos war oder dass man das Geld nicht mehr aufbringen kann, die Orte zu schützen. Einzig und allein sagte sie, dass es genug ist und dass das Geld und die Mühe nicht mehr dafür aufgebracht werden können und man dies nicht mehr will. Scheinbar hatte das Projekt Erfolg, denn es gab eins: Das Marketing. Nur scheint dieses, wie es in einem Business eben so ist, nicht mehr rentabel genug um es am Leben zu halten…

Die Seite musste erst offline gehen um wieder das Thema in den Vordergrund zu rücken. Die Leute reden wieder darüber, reden über die Fortführung des Gedanken.
Dieser Schritt war es, was dieser Seite immer fehlte: Ein aktiver Aufruf durch eine Handlung! Ein Aufbäumen, Ein Aufschrei in die eigenen Reihen. Denn es ist genug! Viele Jahre war dieses Projekt für mich fragwürdig, blieb ihrem Sinn immer einen Nachweis schuldig und den hat es nun erbracht indem es offline ging.

Revoluzzer revolutionieren

Einerseits zeigt es, dass es genug ist. Wir können nicht vereint gegen Vandalen kämpfen und eine Liste von Befürwortern online stellen, wenn der Niedergang des Hobbys aus den eigenen Reihen kommt. Es hilft nichts an einer Ecke anzufangen, während die andere Ecke immer größer wird. Und dennoch zeigt das Offline nehmen, neben eben diesem Aufschrei, dass es weniger um die Sache ging, als um das was daraus folgte. Es wurde als Begriff einer Revolution begonnen. Der Begriff einer “Szene” gebildet, die eben gemeinsam für etwas einsteht. Nun wo diese “Szene” zum Unwort wird und das Problem zu groß, der Vandalismus auch aus den eigenen Reihen kommt, bzw. immer aktiver betrieben wird, streichen die Initiatoren die Segel. Sie setzen damit zwar ein Zeichen gegen diese gebildete Szene, welches wirklich ein wunderbares Mittel ist, das große Ganze zu reflektieren und kritisieren, aber wie kann genau diese Sache zu groß werden? Wenn es um dieses Aufbäumen ging, wie kann ich dann unter dem Druck zusammenbrechen? Actio gleich reactio lehrt uns die Physik, aber wie kann die Reaktion dann ein Schweigen sein? Ging es doch nur um das Geld und die Mühe, die sich aus rein geschäftlicher Sicht und aus dem Aufwand-Nutzen-Prinzip Marketingrelevant nicht mehr rentierten, als um die Sache an sich?
Es bleibt der fade Beigeschmack…
Wahre Revoluzzer, die etwas bewegen wollen und nicht nur leere Propaganda betreiben, reagieren, ohne einen Gedanken an die Mühen zu verschwenden. Wenn es eine gemeinsame Bewegung ist, die Erfolge erzielt hätte, die man nachweislich hätte aufführen können, wären Unterschriftensammlungen und Spenden ein Mittel zum Zweck gewesen, welches ein wirkliches Zeichen zum Erhalt und einer wirklichen Gemeinsamkeit gewesen wäre. Wer etwas verändern will, der tut es.
Jedoch kann auch ein Rückzug eine aktive Tat sein. Ob dies der Fall ist oder doch nur Gerede war bzw das Geld und die Zeit den Ausschlag gaben, wird sich bei Rottenplaces und UAV noch zeigen…

Das Projekt musste erst enden, damit eine wirkliche Revolution starten kann. Wir sollten es als Anlass nehmen nun zu Handeln, etwas zu ändern und nun nicht nur weiter Parolen schwingen. Auch ein Rückzug kann eine aktive Handlung mit einer Botschaft sein und ist eben manchmal das letzte Mittel. Die meisten Bewegungen aus der Geschichte begannen im Untergrund. Werdet aktiv!
Ihr seid am Ende den richtigen Weg gegangen, Urbexers against Vandalism! Chapeau!

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