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Go2know – Tourismus mit Lost Places

In Zeiten wo der Tourismus mit der Vergangenheit und den verlassenen Orten immer weitere Bahnen zieht, darf ein Thema natürlich nicht fehlen: Go2know.

Was ist Go2know?

Go2know war eine Idee. Ein erster Vorstoß der Vermarktung von Lost Places und der Einführung legaler Fototouren an diesen Orten unter einem einzigen Veranstalter.
Prinzipiell ist daran nichts Neues und auch nichts Verwerfliches. Immer wieder gab oder gibt es Einzelpersonen, die gegen einen Obulus Eintritt in ersehnte Orte gewährten, diese aber gleichzeitig betreuen und sich um diese kümmern. Begierde lockert den Geldbeutel und weckt eben bei den Personen mit der Eintrittsgewalt auch Begehrlichkeiten. Dennoch macht go2know so manches anders, was zu einem Geschäftsmodell führt, was jeden Geschichtsinteressierten, Hobbyfotografen, Urbexer oder ähnliches die Nackenhaare aufstellt.

Während die Preise bei Privatpersonen einen recht humanen Rahmen aufweisen und Besuche oft auch spontan möglich sind, sind die bei Go2know wesentlich höher und an feste Termine und Teilnehmerzahlen gebunden. Dabei sollten doch gerade geschichtsträchtige Orte, die einen Teil der deutschen Geschichte hautnah erzählen, anderweitig zugänglich sein.

Geschichte erhalten – Oder doch eher: Lasst die Souvenirjagd beginnen!

Bei solchen Orten, sollte daran gearbeitet werden diese Geschichte aufzuarbeiten, damit diese nicht vergessen wird, wie bei dem Prominenten Beispiel den Beelitzer Heilstätten. Dennoch ist das Ziel go2knows klar: Geld.

Während es sonst oft Hausmeister oder Besitzer sind, die noch ein paar Euro verdienen wollen oder sogar Fördervereine, die das Geld dann zur Finanzierung ihres Vereins und zum Erhalt der Orte nutzen und ein Teil in den Erhalt der Geschichte und geschichtlichen Führungen fließt, ist Go2know am reinen Profit interessiert. Die Vergänglichkeit der Orte wird sogar regelrecht vermarktet, das Wissen einiger Besucher der Heilstätten, dass diese bald nicht mehr zu besuchen sind, steigerte die Verkaufszahlen bestimmt noch einmal deutlich. Wieso also die Orte erhalten, wenn die Ungewissheit die Leute dazu bringt, die hohen Preise zu zahlen? So entbrennt eine Jagd auf die vermeintlich letzten Bilder solcher Orte…

Niveauvolle Fotokunst oder doch nur Effekthascherei?

Bei dieser Jagd widerspricht sich go2know sogar selbst. Während selbst Fördervereine geführte Fotokurse anbieten, an denen z.B. bei der Kokerei Hansa der beleuchtete Pfad gezeigt wird und man Geschichte über die Orte erfährt während man die Spots knipsen kann (und das für kleines Geld!), will go2know einerseits als große niveauvolle Fototour angesehen werden, bietet aber eigentlich fast nur “Freie” Touren an. Ganze zwei Fotoworkshops kann man dort buchen: “Grundlagen der SLR” und was auch sonst bei Lost Places: HDR – Das Gesamtpaket muss ja auch stimmen.
Jedoch sind diese freien Touren einerseits das, was richtige Fotografen wollen und die ja auch der künstlerischen Freiheit zu Gute kommen, jedoch wird explizit erwähnt, dass auch Handyknipser vorbeikommen sollen. Diesen Leuten, die ein Teil der Geschichte mitnehmen und Erinnerungsfotos haben wollen, werden aber fast keine eigenen Touren angeboten, keine kleinen eher geschichtlichen Führungen fürs kleine Geld (Ganze drei “Fotowalks” sind im Angebot, bei denen man nach einer wirklichen Führung noch Erinnerungsfotos schießen kann – für ganze 30 Euro! Vergleichbare Touristenführungen kosten meistens 5-15 Euro obwohl sie fast das selbe beinhalten.) oder geführte Fototouren. Die Geschichte und die Orte sind egal, es geht nur um das Geld und dabei ist das Klientel natürlich Nebensache: Hauptsache viele Leute, die die für das puristische Angebot eigentlich zu hohen Preise zahlen…

Wohin fließt das Geld?

Daher erfährt man auch nichts darüber, wohin das Geld überhaupt fließt. Natürlich müssen gewisse rechtliche Dinge geklärt und Sicherungen gemacht werden, jedoch hält auch dies sich in Grenzen, so dass völlig unerfahrene Touristen schon beinahe überfordert mit der Situation sind. So wird damit geworben, dass jeder erwünscht ist, gerecht wird man aber nur den Wenigsten. Aber solange es läuft, ist das Modell das günstigste, denn es erfordert am wenigsten Personal. So zielt alles auf eine Gewinnmaximierung ab. Das Geld fließt im Vergleich zu anderen Projekten nur in die Kasse von go2know, nicht in den Erhalt und nicht in die Sicherung. Anstatt dieses Geld zu Nutzen den Orten zu Gedenken, wird sogar noch auf der Homepage hingewiesen, dass Besuche außerhalb der Führungen zur Anzeige gebracht werden, ohne Erwähnung, dass es auch rein geschichtliche Führungen gibt oder andere Möglichkeiten die Orte legal zu besuchen.
Zu den Partnerseiten gehören auch nur wirtschaftlich relevante Sachen: Hotels, Ausstatter und Touristen-/Fotoangebote – kein einziger Verein der sich um die Orte bemüht, kein Link zu den geschichtlichen Webseiten der Orte und kein Verweis zu den anderen Möglichkeiten, die Geschichte der Orte wirklich zu erleben (Tag des offenen Denkmals, Förderverein, Hausmeister etc.)

Respekt und Würde sind eben käuflich…

So wird sogar noch damit geworben, dass bei den größeren Veranstaltungen bei Bases mit Heizpilzen ein nettes Gespräch mit den Mitstreitern stattfinden kann und Grillgut dabei genossen wird. Dass diese Orte teilweise bedrückenste Kapitel deutscher Geschichte miterlebt oder wichtiger Teil dieser waren, wird ausgeklammert. Wer wollte nicht schon immer mal ein Grillwürstchen genießen, an einem Ort, wo Zehntausende kranke Menschen behandelt wurden und Tausende im Laufe der Zeit verstarben.
Ein respektvoller Umgang mit Geschichte sieht anders aus und genau das ist das Hauptproblem: RTL und Bildzeitung treffen auf Geschichte und was bleibt sind nur Geldmacherei mit Fotos vergangener Zeiten ohne Rücksicht auf die Orte, Verstorbene oder Hinterbliebene…

Lasst Geschichte nicht zu einem seichten Konsumgut verkommen und den reinen Sensationstourismus gewinnen!

2 Comments

  • UrbexerFrankfurt
    Posted 20. Oktober 2014 at 02:37 | Permalink

    Das stimmt! man sollte allerdings auch nicht vergessen, dass der Abrisswahn heutzutage ganz genauso ein großes Problem darstellt und immer mehr geschichtsträchtige, der Natur überlassene Orte gesichtslosen Neubauten weichen müssen.
    Ich finde das schlimm und -genau wie der “Massentourismus”,Vandalismus durch alkoholisierte Aggro-typen und der Mangel an würde- und respektvollen Umgang mit lost places- muss auch dieses Gemetzel endlich aufhören !!

    • Phil
      Posted 20. Oktober 2014 at 14:45 | Permalink

      Ja da hast du leider recht. Einige schöne Objekte, ob Industrie oder Geschichtsträchtig wurden abgerissen, weil der Erhalt eines Wahrzeichens zu teuer gewesen wäre. Leider regiert Geld die Welt und das ist damit nicht zu verhindern und gab es schon immer, mal mehr mal weniger. Dennoch wäre es schön wenn mehr solcher Gebäude mit Geschichte oder besonderer Funktion oder Architektur erhalten blieben.

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